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Juni 2016

Deutscher Pkw-Markt im Juni 2016:

Zulassungen auf hohem Niveau

Die Nachfrage nach neuen Pkw stieg im Juni um über acht Prozent. Privatmarkt wächst wieder stärker als die gewerblichen Zulassungen. VW verliert deutlich Marktanteile.


Autor:
Ulrich Winzen
ulrich.winzen@gmx.de

 


Grafik 1 von 13
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Dienstag, 05. Juli 2016
 


Oberhausen. Im Juni 2016 wurden 339.563 Pkw neu zugelassen. Dies entspricht einem Plus 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Das ist nach 2009 - dem Jahr der Verschrottungsprämie - das zweitbeste Juni-Ergebnis seit 1999 und das viertbeste Ergebnis seit dem Wiedervereinigungs-Boom vor 25 Jahren. Im ersten Halbjahr wurden 7,1 Prozent mehr Neuzulassungen verzeichnet als im Vorjahreszeitraum. Der Dieselanteil blieb im Juni in etwa auf dem Niveau der Vorjahresmonate.

Private Zulassungen wachsen wieder stärker als der Gesamtmarkt

Die privaten Zulassungen stiegen um 12,5 Prozent und somit zum zweiten Mal hintereinander stärker als die gewerblichen Neuzulassungen, die sechs Prozent zulegten. Mit 37,2 Prozent erreichte der Privatmarkt einen höheren Anteil als im Vorjahresmonat. Nach sechs Monaten liegt der Anteil der offiziellen privaten Zulassungen allerdings immer noch leicht unter dem des ersten Halbjahres 2015.

Weiterhin läuft ein großer Teil der privaten Nachfrage über gewerbliche Zulassungen, die nach kurzer Zeit als Besitzumschreibung in Privatbesitz übergehen und damit die steigende Nachfrage der Verbraucher nach jungen Gebrauchtwagen bedienen. Die Besitzumschreibungen stiegen im Juni um 1,8 Prozent und befinden sich nach sechs Monaten auf dem höchsten Niveau seit dem Jahr 2000.

Frühindikatoren sind weiter gestiegen

Nachdem die Frühindikatoren zum Jahresanfang deutlich negative Tendenzen aufwiesen, kam es in den vergangenen Monaten zuerst zu einer Stabilisierung und nun zu einer weiteren Erholung.. Der Ifo Geschäftsklima-Gesamtindex stieg im Juni weiter an, wobei sich die Geschäftserwartungen abermals besser entwickelten als die Einschätzung der aktuellen Lage. Die von der EU Kommission veröffentlichten Vertrauensindices zeigten ebenfalls wieder deutlichere Erholungstendenzen, sowohl beim Verbrauchervertrauen als auch beim Vertrauensindex der Industrie. Die Befürchtungen vom Jahresanfang einer deutlichen Abkühlung bei den Vertrauensindices haben sich nicht bewahrheitet. Trotz weiterhin vorhandener geo- und innenpolitischer Risiken blicken die Verbraucher und die Industrie wieder positiver in die Zukunft.. Inwieweit die Entscheidung Großbritanniens für den Austritt aus der EU die Stimmung in den nächsten Monaten auch in Deutschland beeinflussen wird, ist im Moment nur schwer abzusehen.

2016 werden die Neuzulassungen weiter steigen

Für die nächsten Monate wird mit keiner Eintrübung der objektiven Rahmenbedingungen gerechnet. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt sieht weiterhin sehr gut aus, Auswirkungen auf das Kaufverhalten aufgrund geo- und innenpolitischer Risiken sind im Moment nicht absehbar. Ebenso sind für dieses Jahr noch keine Effekte aufgrund des beschlossenen Austritts Großbritanniens auf die Pkw-Nachfrage in Deutschland unterstellt.

Für das Gesamtjahr erwartet die Automobilwoche einen Anstieg der Neuzulassungen auf 3,345 Millionen Neuzulassungen (plus 4,3 Prozent gegenüber 2015). Eine Steigerung der Pkw-Nachfrage über diese Prognose hinaus ist bei weiterhin günstigen Rahmenbedingungen und wachsendem Verbrauchervertrauen durchaus möglich.

VW mit niedrigstem Marktanteil in einem Juni seit 2005

Im weiterhin dynamisch wachsenden Gesamtmarkt konnten die meisten Hersteller ihr Vorjahresergebnis übertreffen. Marktführer VW lag mit plus 0,2 Prozent zwar leicht über Vorjahr, verzeichnete aber mit einem Marktanteil von 18,8 Prozent das schwächste Juni-Ergebnis seit 2005.  Nach sechs Monaten liegt die Marke bei einem Marktanteil von 20 Prozent und um 1,4 Prozent im Minus. Mercedes kam vergangenen Monat mit plus 12,6 Prozent auf Platz zwei, vor Audi (plus ein Prozent) und BMW mit plus 17,2 Prozent. Das erste Halbjahr konnte aber Audi auf Platz zwei, vor Mercedes und BMW abschließen.

Die Plätze fünf und sechs wurden sowohl im Juni als auch im ersten Halbjahr von Opel und Ford belegt. Beide Hersteller verzeichnen nach sechs Monaten zweistellige Wachstumsraten. 

Auf den Plätzen sieben bis zehn befinden sich die Importmarken Skoda, Renault, Hyundai und Seat. Renault konnte im Juni mit plus 30 Prozent das höchste Wachstum aller Top zehn Marken erreichen. Auch in der Halbjahresbilanz liegt Renault mit plus 15 Prozent vorne. Skoda und Hyundai konnte sich zwar im Juni überproportional steigern und liegen auch nach sechs Monaten im Plus, aber mit geringeren Wachstumsraten als der Gesamtmarkt. Neben VW ist Seat die einzige Top zehn Marke, die im ersten Halbjahr unter dem Ergebnis des Vorjahreszeitraums blieb.

Importmarken wachsen stärker als deutsche Hersteller

Mit fast zwölf Prozent wuchsen die Importmarken im Juni deutlich stärker als ihre deutschen Wettbewerber. Speziell die  Volumen-Marken erreichten mit plus 3,6 Prozent ein unterdurchschnittliches Ergebnis. Die momentane Schwäche von VW kann nicht vollständig durch Ford und Opel kompensiert werden. Die deutschen Premium-Marken erreichten immerhin ein Wachstum von knapp zehn Prozent.

Das erste Halbjahr zeigt diese Premium-Marken als eindeutige Gewinner. Mit plus 10,7 Prozent schneiden sie nach sechs Monaten deutlich besser ab als die deutschen Volumen-Marken (plus 3,4 Prozent) und auch als die Importeure, die in Summe auf ein Plus von 8,1 Prozent und einen Marktanteil von 36,2 Prozent kommen.