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Oktober 2016

Deutscher Pkw-Markt im Oktober 2016:

Zulassungen unter Vorjahr

Nach einem sehr staken September ist die Pkw-Nachfrage auch aufgrund einer geringeren Zahl an Arbeitstagen im Oktober um 5,6 Prozent gesunken. VW muss einen Einbruch um fast 20 Prozent hinnehmen.


Autor:
Ulrich Winzen
ulrich.winzen@gmx.de

 


Grafik 1 von 13
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Mittwoch, 02. November 2016
 


Oberhausen. Im Oktober 2016 wurden 262.724 Pkw neu zugelassen. Dies entspricht einem Rückgang von 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Dies lag nicht nur an der geringeren Zahl an Arbeitstagen: Nachdem sich die Nachfrage im September überraschend positiv entwickelt hatte, litt der Oktober offensichtlich unter einigen Marketingmaßnahmen des Vormonats. Nach zehn Monaten liegen die Neuzulassungen mit 4,9 Prozent im Plus. Der Marktanteil der Diesel-Zulassungen lag mit 44,2 Prozent wiederum unterhalb der Vorjahresmonate und fiel auf den niedrigsten Oktoberwert seit der Verschrottungsprämie.

Private Nachfrage bleibt Stütze der Neuzulassungen

Die direkten privaten Zulassungen gingen unterdurchschnittliche zwei Prozent zurück, die gewerblichen Neuzulassungen verloren 7,5 Prozent. Mit 35,4 Prozent erreichte der Privatmarkt zum sechsten Mal in Folge einen höheren Anteil als im entsprechenden Vorjahresmonat und lieferte einen höheren Beitrag an der gesamten Zulassungsentwicklung als die gewerbliche Nachfrage. Auch im bisherigen Jahresverlauf sind die privaten Neuzulassungen mit plus sieben Prozent stärker gestiegen als die gewerblichen Zulassungen mit plus fünf Prozent.

Die nun seit sechs Monaten stark steigende private Nachfrage geht dabei nicht zu Lasten der gewerblichen Neuzulassungen, die sich weiterhin wie erwartet entwickeln. Ebenfalls davon unbeeinflusst entwickeln sich die die Besitzumschreibungen: Mit minus 4,8 Prozent lagen sie vergangenen Monat im Bereich der Erwartungen. Nach zehn Monaten ist die gesamte private Nachfrage nach Neu- oder Gebrauchtwagen auf dem höchsten Stand seit 2001 und somit höher als 2009, dem Jahr der Verschrottungsprämie.

Frühindikatoren entwickeln sich positiv

Sowohl der Ifo-Geschäftsklimaindex als auch der von der EU-Kommission veröffentlichte Vertrauensindex der Industrie haben sich wieder deutlich erholt. Der Ifo-Index erreichte innerhalb von zwei Monaten die stärkste Verbesserung die jemals auf diesem Niveau beobachtet wurde. Darüber hinaus hat der Vertrauensindex der deutschen Industrie den höchsten Stand seit Anfang 2012 erreicht. Der Index für das Verbrauchervertrauen hat sich nach einigen Rückgängen in den vergangenen Monaten wieder stabilisiert und deutet ebenfalls nicht auf eine beginnende Krise hin.

Auch für 2017 ist mit steigender Pkw-Nachfrage zu rechnen

Für die nächsten Monate wird mit keiner Eintrübung der objektiven Rahmenbedingungen gerechnet. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt sieht weiterhin sehr gut aus, Auswirkungen auf das Kaufverhalten aufgrund geo- und innenpolitischer Risiken sind im Moment nicht absehbar. Für das Gesamtjahr 2016 erwartet die Automobilwoche einen Anstieg der Neuzulassungen auf 3,37 Millionen Neuzulassungen (plus 5,1 Prozent gegenüber 2015). Trotz des bereits erreichten Niveaus werden auch 2017 die Neuzulassungen weiter leicht ansteigen. Der Gründe liegen in den relativ guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und in den hohen Neuzulassungen von 2009: Die dort im Rahmen der Verschrottungsprämie zusätzlich zugelassenen Pkw werden in 2017 auch bei den Neuzulassungen für zusätzliche Impulse sorgen, da diese Fahrzeuge allmählich ersetzt werden. Die Automobilwoche erwartet für 2017 Neuzulassungen in Höhe von 3,41 Millionen Pkw (plus 1,2 Prozent).

VW bricht um fast 20 Prozent ein

Im rückläufigen Gesamtmarkt gab es im Oktober bei den Top zehn Marken drei Gewinner die ihr Vorjahresergebnis verbessern konnten: Skoda, Renault und Seat verzeichneten mehr Neuzulassungen als vor einem Jahr.

Weiterhin auf Platz eins liegt Marktführer VW. Allerdings musste die Marke einen Rückgang um 19,7 Prozent hinnehmen und viel auf einen Marktanteil von 18,8 Prozent. Dies ist der niedrigste Marktanteil in einem Oktober seit 2003. Auch nach zehn Monaten steht bei VW mit einem Minus von drei Prozent der größte Rückgang aller Top zehn Marken zu Buche.

Die Plätze zwei bis vier machten im Oktober die deutschen Premium-Marken Mercedes, Audi und BMW unter sich aus. Alle drei Marken wiesen Verluste auf die aber deutlich geringer waren als der Gesamtmarktrückgang.

Auf den Plätzen fünf und sechs lagen Opel und Ford. Opel verfehlte das Vorjahresergebnis nur ganz knapp (minus 0,1 Prozent), Ford dagegen verbuchte mit minus acht Prozent einen überdurchschnittlichen Rückgang. Aufgrund des Oktoberergebnisses hat Opel seinen Vorsprung gegenüber Ford im bisherigen Jahresverlauf wieder etwas ausgebaut. Dennoch beträgt der Abstand nach zehn Monaten lediglich 3.000 Neuzulassungen.

Auf den Plätzen sieben bis zehn liegen die vier Importmarken Skoda, Renault, Hyundai und Seat. Von diesen Marken lag lediglich Hyundai unterhalb des Vorjahresergebnisses. Der Rückgang war allerdings deutlich geringer als der des Gesamtmarkts.

Importeure können ihr Vorjahresergebnis verbessern

Bedingt durch den Einbruch von VW verloren die gesamten deutschen Volumen-Marken im Oktober 13,3 Prozent. Die Premium-Marken konnten ihre Verluste auf minus 3,4 Prozent begrenzen. Mit einem Plus von mehr als einem Prozent stehen die Importteure als Gewinner des Oktobers fest. Die größten Volumenzuwächse erzielten dabei nicht die Marken unter den Top zehn, sondern Toyota und Peugeot.
Der bisherige Jahresverlauf zeigt allerdings die deutschen Premium-Marken als eindeutige Gewinner. Mit plus acht Prozent schneiden sie nach zehn Monaten deutlich besser ab als die deutschen Volumen-Marken (plus 1,5 Prozent) und auch als die Importeure, die in Summe auf ein Plus von etwas sechs Prozent und einen Marktanteil von 36,5 Prozent kommen.