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Dezember 2016

Deutscher Pkw-Markt im Dezember 2016:

Pkw-Nachfrage im Plus

Im Dezember stiegen die Neuzulassungen um 3,7 Prozent und erreichten im Gesamtjahr mit 3,352 Millionen den höchsten Stand seit sieben Jahren. VW mit schlechtestem Dezemberergebnis seit 19 Jahren.


Autor:
Ulrich Winzen
ulrich.winzen@gmx.de

 


Grafik 1 von 13
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Donnerstag, 05. Januar 2017
 


Oberhausen. Im Dezember 2016 wurden 256.533 Pkw neu zugelassen. Dies entspricht einem Plus von 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Gesamtjahr 2016 lagen die Neuzulassungen mit 4,5 Prozent im Plus und mit 3,352 Millionen leicht oberhalb des Niveaus der Vorkrisenjahre 2000 bis 2007.

Der Marktanteil der Diesel-Zulassungen fiel auf 43,1. Dies ist, abgesehen von 2009, dem Jahr der Verschrottungsprämie, der niedrigste Dezemberwert seit 14 Jahren. Im Gesamtjahr erreichten die Dieselzulassungen in etwa das Vorjahresniveau, die Zahl der neuen Benziner stieg um über acht Prozent. Deutliche Zuwächse erzielten die alternativen Antriebsarten, allerdings war ihr Anteil an den gesamten Neuzulassungen im vergangenen Jahr mit zwei Prozent noch äußerst gering. Die Zulassungen von reinen Elektro-Pkw waren 2016 sogar fast acht Prozent niedriger als im Vorjahr. Mit 11.410 Neuzulassungen und einem Marktanteil von 0,3 Prozent stellen diese Fahrzeuge weiterhin eine sehr kleine Nische dar.

Private Nachfrage und Besitzumschreibungen bleiben weiter stark

Die direkten privaten Zulassungen stiegen im Dezember um über neun Prozent, die gewerblichen Neuzulassungen erhöhten sich um ein Prozent. Mit 33,8 Prozent erreichte der Privatmarkt zum wiederholten Male einen höheren Anteil als im entsprechenden Vorjahresmonat und lieferte einen größeren Beitrag an der gesamten Zulassungsentwicklung als die gewerbliche Nachfrage.. Auch im Gesamtjahr sind die privaten Neuzulassungen mit plus 6,8 Prozent stärker gestiegen als die gewerblichen Zulassungen mit plus 3,3 Prozent.

Unbeeinflusst von der stärker werdenden privaten Nachfrage nach neuen Pkw entwickeln sich die Besitzumschreibungen: Sie lagen vergangenen Monat mit 2,4 Prozent im Plus und erreichten sowohl im Dezember als auch im Gesamtjahr den höchsten Stand in diesem Jahrtausend.

Rahmenbedingungen waren selten so positiv

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind zum Jahresanfang äußerst positiv: Für 2017 wird ein robustes Wirtschaftswachstum in ähnlicher Höhe wie 2016 erwartet, die Situation auf dem Arbeitsmarkt war schon lange nicht mehr so gut und auch die Stimmung der Verbraucher hat sich verbessert.Der Ifo-Geschäftsklimaindex lag im Dezember auf dem höchsten Stand seit drei Jahren, sowohl die Einschätzung der aktuellen Situation als auch die Erwartungen für die nächsten Monate haben sich weiter verbessert.

Für 2017 ist mit leicht steigender Pkw-Nachfrage zu rechnen

Für die nächsten Monate wird mit keiner Eintrübung der objektiven Rahmenbedingungen gerechnet. Auswirkungen auf das Kaufverhalten aufgrund geo- und innenpolitischer Risiken sind im Moment nicht absehbar. Für das Gesamtjahr 2017 erwartet die Automobilwoche einen Anstieg der Neuzulassungen auf 3,4 Millionen Neuzulassungen (plus 1,4 Prozent gegenüber 2016).. Der Gründe für den erwarteten Anstieg – trotz des erreichten hohen Niveaus - liegen in den relativ guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und in den hohen Neuzulassungen von 2009: Die dort im Rahmen der Verschrottungsprämie zusätzlich zugelassenen Pkw werden in 2017 auch bei den Neuzulassungen für zusätzliche Impulse sorgen, da diese Fahrzeuge allmählich ersetzt werden.

VW bricht im Dezember ein

Im steigenden Gesamtmarkt gab es im Dezember bei den Top zehn Marken Gewinne und Verluste zwischen plus 25 Prozent und minus 16 Prozent. Weiterhin eindeutig auf Platz eins liegt Marktführer VW. Allerdings musste die Marke einen Rückgang um 16 Prozent hinnehmen und fiel auf einen Marktanteil von 16,7 Prozent. Dies ist der niedrigste Marktanteil seit 19 Jahren. Es kann davon ausgegangen werden, dass an diesem Rückgang, wie in den vergangenen Monaten auch, der Golf einen großen Anteil hat. Eine Verbesserung der Situation könnte sich mit der Markteinführung des Facelifts einstellen. Auch im Gesamtjahr steht bei VW mit einem Minus von 4,3 Prozent der größte Rückgang aller Marken zu Buche.

Die Plätze zwei bis drei machten im Dezember die beiden deutschen Premium-Marken BMW und Mercedes unter sich aus. Mercedes konnte deutlich zulegen, die Zulassungen von BMW stagnierten. Der Dritte Premium-Anbieter, normalerweise unter den ersten vier zu finden, musste vergangenen Monat Opel und Ford den Vortritt lassen. Beide Marken sind zum Jahresende traditionell stärker als Audi.

Im Gesamtjahr nimmt Audi hinter VW und Mercedes Platz drei ein, vor BMW. Auf den Plätzen fünf und sechs liegen Opel und Ford. Beide Hersteller trennen nach zwölf Monaten gerade 4.000 Neuzulassungen.
Auf den Plätzen sieben bis zehn lagen im Dezember und im Gesamtjahr die vier Importmarken Skoda, Renault, Hyundai und Seat. Skoda legte mit plus 25 Prozent im Dezember einen fulminanten Schlussspurt hin, musste sich für das Gesamtjahr allerdings mit einem unterdurchschnittlichen Plus von 3,5 Prozent begnügen. Hinter Skoda rangiert Renault. Die Marke konnte das vergangene Jahr mit plus 13,9 Prozent abschließen und erreichte damit die höchsten Zuwächse aller Top zehn Marken.

Importeure können Vorjahresergebnis deutlich verbessern

Bedingt durch die Schwäche von VW verloren die gesamten deutschen Volumen-Marken im Dezember fast neun Prozent. Die Premium-Marken konnten 7,5 Prozent dazugewinnen. Mit einem Plus von 13,5 Prozent stehen die Importeure als Gewinner des Dezembers fest.

Das Gesamtjahr zeigt allerdings die deutschen Premium-Marken als knappe Gewinner. Mit plus 7,3 Prozent schnitten sie nach zwölf Monaten etwas besser ab als die Importeure (plus 7,1 Prozent). Die deutschen Volumen-Marken verfehlten ihr Vorjahresergebnis aufgrund des schwachen Dezembers um wenige Neuzulassungen.